Nachtwächter Rundgang

Nachtwächter Ralf Stadtführung durch das historische Luzern.
Mittelalter und Stadtgeschichte hautnah erleben, in authentischer Umgebung, kompakt und kurzweilig dargestellt in neuen und alten Medien. Anders als alle anderen Nachtwächter Touren.

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  > Legende

Highlights
- Sehenswürdigkeiten der Altstadt
- Das Leben im Mittelalter
- Recht und Ordnung
- Der Totentanz des Jakob von Wyl
- Bilder auf  iPad und Lichtbildprojektion


Falls Sie hier keine Bilder sehen, klicken Sie hier.

Anmeldung
Per e-mail (ralffioretti@gmail.com), SMS oder Telefon (079 306 82 87).
Bitte Datum, Uhrzeit und Personenzahl mitteilen.
Eine Anmeldebestätigung erfolgt umgehend.
Alternativ können Sie auch bei GetYourGuide.de oder Viator.com buchen.

Preise öffentliche Touren
CHF 25.- Erwachsene
CHF 15.- Junge Leute (13 bis 19 Jahre alt)

Preise private Touren
CHF 200.- Pauschal bis 10 Personen
CHF   10.- Jede weitere Person (bis 30 Personen)
CHF 400.- Pauschal ab 30 Personen
Altstadt Hotel pick up: CHF 50.-

Dauer und Länge
ca. 90 Minuten / ca. 1,6 km

Treffpunkt
Rathausquai/Rosengartplatz, bei der Kapellbrücke, rechtes Flussufer.

Leistungen
Nachtwächter Stadtrundgang mit deutsch sprechendem Stadtführer und multimedialer Präsentation.

Beschreibung
Öffentliche Nachtwächter Stadtführung mit Schwerpunkt Luzern und Eidgenossenschaft vom 12.-18. Jahrhundert.

Die Tour beginnt mit dem Klang des Feuerhorns, gefolgt vom Nachtwächter-Betruf. Und schon geht's los. Der Nachtwächter erzählt von seinem Leben in niederem Stande und von anderen unehrlichen Berufen. Anhand des 400 Jahre alten Martiniplans erklärt er die Route Ihres Rundgangs und zeigt Ihnen Sehenswürdigkeiten vom Alten Luzern. Vieles davon ist heute noch erhalten und einiges davon werden Sie heute näher kennen lernen.

Sie beginnen mit dem Wahrzeichen Luzerns, dem Wasserturm und der später dazu gebauten Kapellbrücke. Der Nachtwächter berichtet vom Innenleben des Turmes, vom Verlies, der ehemaligen Folterkammer und vom Aufziehen im Obgaden.

Am Kapellplatz hören Sie Interessantes von der mittelalterlichen Gesellschaft und vom Leben in der aufblühenden Stadt und Republik Luzern. Weiter geht's durch die Furrengasse, wo früher ein Gespenst und allerlei Toggelis ihr Unwesen trieben.

Am Kornmarkt sehen Sie das Rathaus, den Rathausturm mit seinen Ausguckerkern und die Zunftstube zur Pfistern. Sie sehen den Luzerner Fuss und die Elle und Sie hören die Geschichte vom Riesen von Reiden.

Im Brandgässli folgt die Legende der Mordnacht, bevor Sie zum Weinmarkt ziehen, wo früher Osterfestspiele aufgeführt wurden. Sie hören das Gedicht des Todes aus dem Schlussakt des Cenodoxus, aufgeführt in Luzern im Jahre 1609.

Weiter geht's zum unteren Weinmarkt, dem ersten Gerichtsplatz der Stadt Luzern. Im Zöpfli am Fluss geht es dann um Recht und Ordnung und die leidvolle mittelalterliche Gerichtsbarkeit. Sie erfahren Einzelheiten über die damals üblichen Verhörmethoden und die Strafen an Leib und Leben.

Weiter geht es über die erste Brücke Luzerns zum Schaufenster der Alten Suidterschen Apotheke.
Danach gehen Sie zum Ritterschen Palast, wo Sie die Geschichte des Giovanni Lynzo alias Hans von Trient hören.
Ein weiterer Höhepunkt bildet die Wort-Bild Präsentation des siebenteiligen Totentanz-Zyklus des Jakob von Wyl.

An der Jesuitenkirche vorbei, gehen Sie weiter über die Kapellbrücke, wo Sie ein paar Bilder näher betrachten. Am Ende der Kapellbrücke angelangt, endet die Tour.


Einige der Protagonisten der Nachtwächter Tour
Diebold Schilling d. J., der umtriebene Chronist, Notar, Kaplan und Raufbold.
Renward Cysat, der bescheidene Apotheker, Stadtschreiber, Festspielleiter.
Jakob von Wyl, der Künstler und Pechvogel von Luzern.
Ludwig Pfyffer von Althishofen, dem das Glück ins Gesicht lacht.
Martin Martini, genialer Kupferstecher und Grossmaul.
u.a.


Weitere Informationen
Der Rundgang ist ca. 1,5 km lang.
Die Tour ist mit vielen Bildern umrandet. Diese werden auf Papier und iPad präsentiert. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt ein Beamer zum Einsatz.

Zusätzlich können Sie die Bilder auch auf  Ihrem eigenen Mobilgerät ansehen. (Technische Voraussetzung: Eigene Internetverbindung oder Nutzung des LuzernWLAN, 1 Stunde gratis)
Der Strassenbelag besteht aus Kopfsteinpflaster.
Die Tour ist rollstuhlgängig.
Der Rundgang kann auch privat und für Gruppen gebucht werden.



> Legende

offen = offen für Einzelbuchungen ODER Privat (first come, first serve).
öffentlich = Für Einzelbuchungen (Anmeldung erwünscht).
öffentlich, ohne Anmeldung = öffentliche Tour ohne Anmeldung.
geschlossen = Keine Buchungen möglich.








Die Herberge zum Rössli und das alte Wasserrecht


Die ehemalige Herberge zum Rössli war das erste Luxushotel in der Stadt Luzern mit eigenem Brunnen. Anfangs des 16. JH war es die bevorzugte Adresse der französischen Ambassadoren. Das Haus zählte um die 20 Betten, plus Stallungen und Futter für Pferde und Vieh, dass gehörte zu dieser Zeit zur ganz normalen Hotel Infrastruktur. Darüber hinaus verfügte das Rössli als Alleinstellungsmerkmal über einen eigenen Brunnen.


Der Gasthof zum Rössli in der Diebold Schilling Chronik:
Diebold Schilling Chronik Folio 310v
Das Bild zeigt den Einzug des französischen Schatzmeisters in Luzern 1509. Im Hintergrund sehen wir drei Museggtürme, den Mändli-, Luegisland- und den Wachturm.
Dann sehen wir drei Steinhäuser, allesamt Gasthäuser, wie wir an den Wirtshausschildern erkennen können: Rechts das Schwert, in der Mitte das Rössli und links der Raben.
Die Wetterfahnen auf dem Dach des Hotel Rössli zeigen das Wappen des damaligen Wirtes, Peter Zumkäs.
Neben dem Wirtshausschild sieht man eine Auffrichtung zum Aufhängen von Zaumzeug. Darunter betritt gerade ein Pferd die Stallungen der Herberge. Das ist genau dort, wo heute der Eingang zum Coop City ist. Im Vordergrund im blauen Mantel reitet der französische Schatzmeister umgeben von bewaffneten Männern. Rechts vor dem Schatzmeister sieht man einen Maulesel mit Geldtruhen der französischen Krone bepackt. Hinter dem Schatzmeister sieht man noch einen Maulesel, der weitere Geldtruhen erahnen lässt.



Aus der Cysat Collectanea, Seite 136:
Brunn zum Rosslin
[Mskr. 1450, Pol. 299R] Zuo wüssen, das mgh.
vor langen zytten, vngfar Ao 15 14, den brunnen,
so jn der herbergzum Rösslj an der Müligaßen
stat, jn jrem kosten vffrichten vnd zuorüsten
laßen, ouch denselbigen derselbigen herberg
(wyl es vormalen die fürnembste vnd der
französischen ambassadoren herberg gewesen
wie noch) und vbergeben mitt dem geding, das der
brunn nüt destominder den nachpuren vnd andem,
wär deßen mangelbar vnd begert, offen
vnd gemein sin sölle.

Auf Neudeutsch zusammengefasst heisst das:
Ca. 1514 errichtet die Stadt Luzern in der Herberge zum Rössli einen Brunnen und übergab diesen mit der Bedingung, dass jeder, der Wasser mangelt oder begehrt, am Brunnen der Herberge zum Rössli Wasser holen darf.

Heute sehen wir vom Hotel Rössli nur noch den Nachfolgebau, das Coop City Gebäude. Aber immer noch gilt das alte Wasserrecht. Noch immer hat das Gebäude einen eigenen Brunnen, muss das Wasser aber für alle bereithalten. Dieses Wasserrecht erhöht den Wert des Grundstücks. Die Grundstücksbesitzerin ist deshalb tunlichst darauf bedacht, das Wasser des Brunnens jedermann zugänglich zu machen, damit ihr niemand das alte Wasserrecht streitig machen kann.

Als ich ein Bub war hiess das Warenhaus EPA und im Untergeschoss befand sich ein schmuckloses Lavabo, wo immer Wasser floss. Das Haus gehört noch immer der «Neue Warenhaus AG» mit Sitz in Zürich. Seit Jahren hat sich der Coop im gesamten Haus eingemietet. Heute befindet sich im obersten Stock im Self Service Restaurant ein kleiner Zierbrunnen, der auch immer Wasser führt. Und auch vor dem Haus befindet sich ein moderner Trinkbrunnen. Damit wird die Bedingung aus dem alten Wasserrecht eingehalten.

Unterer Mühlenplatz mit Sicht auf das Coop City Gebäude, wo früher der Gasthof zum Rössli stand.







Cenodoxus vom Doctor zu Pariss, Gedicht des Todes im Schlussakt

Mein Gwalt bezwingt die gantze Welt,
Ob mir erschrickt so mancher Held,
Gross Herren, Fürsten, Potentaten
Vergehn durch mich gleich wie der Schatten.

Alls was man maint das mächtig sey,
Die Bäum, die Felsen, die Gebäu,
Das Eisen und der Stachel hart,
Was schwacher und was starcker Art,

Alls was im Lufft, was in dem Meer,
Alls was die Erden bringt hieher,
Entsetzet sich ab meinem Pfeil,
Dass ich abschiess in schneller Eil.

Bist weder du, noch der, noch der,
noch irgends andrer sicher mehr.

Diss Pfeil ist mennigklichen Gifft,
Verschonet kain und alles trifft:
Offt Kinder, offt auch Jüngling schön,
Die Alten allzeit mit mir gehn.

So lang allda vom Sand noch was
Zu lauffen hat in disem Glas
Bleibt übrig mehr nit dann nur diss,
Für einen Doctor zu Pariss,

Sehr trefflichen gelehrten Mann,
Ob er schon glert ist und vil kan,
So gilts doch alles bey mir nicht,
Mein Gwalt all Macht und Kunst zerbricht.

Er muess daran, es ist schon Zeit,
Das letzte Pünctlein ist bereit.
Ich möss, ich zihl, mein Pfeil schwing ich,
Jetzt gib ich ihm den letzten Stich…

Bey aim allein hat es kein Bleiben,
Ich muess gen noch mehr auffreiben.
Es gilt mir eben alles gleich,
Hoch oder nider, arm oder reich.
Jetzt suech ich umbher under allen,
Wer die negste Schuld müest bezahlen.

Jakob Bidermann, Cenodoxus - vom Doctor zu Pariss.
Jesuitendrama, Comico-Tragoedia, geschrieben 1602.
Uraufführung in Augsburg 1602.
Grosse Erfolge an den Aufführungen in München und Luzern 1609.





Nachtwächter Betruf

»I tritt wohl a uf‘d Obigwach
Gott gib üs Allna a guoti Nacht.
Und löschet wohl Für und Liacht
Das der Lieb Gott us wohl behüt
Nüni hät's g'schlaga, das thuani Eu kund.
Gott gib üs Allna'n a guati Stund.«





Die Armen Seelen Bittschrift im Senti-Beinhüsli

O, ihr lieben, guten armen Seelen,
ich komme hierher, 
um für euch zu beten 
und Öl zu opfern,
damit das Lumpenzeug, 
wo ich bin, 
mir nichts Leides tun,
mir nicht Schaden 
und mir nichts nehmen kann 
und ich zu besseren Leuten kommen kann.

Die Armen Seelen Bittschrift einer armen Magd im Senti-Beihnhüsli* in Luzern. Aus dem Buch "Sie rufen mich beim Namen" von Josef Zihlmann.
* Die Sentikirche ist uns erhalten geblieben, das Beinhaus und den Friedhof gibt es aber nicht mehr.

Siehe auch: Was sind arme Seelen?





Was sind arme Seelen?

Arme Seelen sind Verstorbene, die aus irgendeinem Grund (noch) nicht ins Jenseits gelangen konnten. Sie befinden sich zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.


Es gibt verschiedene Arten von armen Seelen:
  • Einige arme Seelen können noch nicht gehen, weil sie zu Lebzeiten noch etwas ganz Wichtiges zu erledigen gehabt hätten. Sie versuchen nun als arme Seelen das Versäumte nachzuholen.
  • Andere arme Seelen können nicht gehen, weil sie noch Lebende beschützen müssen.
  • Wieder andere arme Seelen haben etwas Böses gemacht und müssen dafür im Fegefeuer büssen und einige müssen «wandeln».
  • Dann gibt es auch die schamroten armen Seelen. Das sind Hingerichtete, die vor ihrem Tod reuig gebeichtet haben und deren Überreste in geweihter Erde begraben wurden, zum Beispiel im ehemaligen Friedhof mit Beinhaus bei der Sentikirche in Luzern.

Alle armen Seelen haben gemeinsam, dass Sie den Lebenden etwas Gutes tun wollen, damit Sie endlich gehen und ihre letzte Ruhe finden können.


Arme Seelen offenbaren sich den Lebenden auf mannigfaltige Weise:
  • Kürzlich verstorbene erscheinen den Lebenden im Traum, um ihnen noch etwas Wichtiges mitzuteilen.
  • Es gibt Leute die sagen, man kann arme Seelen spüren, z.Bsp. an Hinrichtungsstätten und Massengräbern.  
  • Einige arme Seelen stehen nur in Kontakt mit ihren eigenen Leuten. Aussenstehende kriegen davon nichts mit.
  • Andere müssen «wandeln», d.h. als Gespenster an den Orten und Zeiten auftauchen, wo sie Böses gemacht haben. 

Für die meisten Menschen sind "arme Seeelen" übersinnlicher Blödsinn. Sie verwehren sich der Idee, darüber nachzudenken.

Man beachte, dass ein ganz böser Mensch, nicht eine arme Seele werden kann. Ganz böse Menschen kommen direkt in die Hölle, von wo aus Sie sich den Lebenden allenfalls als Dämonen offenbaren.

Eine arme Seele ist eine reuige Seele. Der Volksglaube sagt, dass man diese um Hilfe anrufen darf. Anders verhält es sich mit den Dämonen, diese sind und bleiben für alle Zeit böse. Weh dem, der sie ruft!


Siehe auch: Die Armen Seelen Bittschrift einer armen Magd im Senti-Beinhüsli.






Die Bilder der Spreuerbrücke mobil auf Wiki

Die Brückenbilder der Spreuerbrücke sind nun auch auf Wikimedia verfügbar, optimiert für den Empfang mit Mobilgeräten.

Die lange Original URL für Mobiles lautet:
https://commons.m.wikimedia.org/wiki/Category:Paintings_of_the_Spreuerbrucke

Kurz URL: r4u.net/w11

Ganz schnell geht's mit dem QR Code
   

Der Vorteil gleichzeitig zum teilweise dunklen Original ein digitales Pendant sehen zu können erlaubt Ihnen eine sehr viel genauere Betrachtung der Kunstwerke.

Um die Spreuerbrücke-Bilder in der richtigen Reihenfolge zu sehen, müssen Sie am Kasernenplatz beginnen über die Brücke zum Mühlenplatz gehen und dann wieder zurück.
1 Der Tanz der Toten
Brückenbilder der Spreuerbrücke, Tafel 1, Der Tanz der Toten






Schumacherplan auf Google map

Auf der Suche nach der genauen Stelle der Hinrichtungsstätte Sentimatt habe ich den Schumacherplan auf Google my map gelegt.

  • Im Untergrund ist ein Ausschnitt von Luzern von Google my map.
  • Darüber liegt der zweidimensionale Schumacherplan (Als gif, weiss=transparent).



Die Genauigkeit ist verblüffend. Fixpunkte wie Wasserturm, Reusbrücke, Spreuerbrücke und Nölliturm liegen auf beiden Plänen ganz genau übereinander. Auch die grossen Strassen wie der Hirschengraben und die Baselstrasse stimmen genau. Ebenfalls gut zu sehen ist, dass die linke Flusseite (zwischen heutiger Rathaus- brücke und Seebrücke) aufgeschüttet wurde.



Eine weitere Ansicht zeigt den Schumacherplan auf Google my map Satellite.


Mehr zu diesem Thema:
- Der Schumacherplan





Marignano – ein Volk von uneinig Brüdern?

Die Schlacht von Marignano war die letzte grosse Schlacht der Eidgenossen und fand am 13. und 14. September 1515 statt.

Ferdinand Hodler, Rückzug von Marignano (Studie)

Die Vertreter der alten Orte konnten ihre Uneinigkeit vorerst überwinden und beschlossen  an der Tagsatzung, gegen die Franzosen in die Schlacht zu ziehen.

Francois I, der junge, frischgekrönte König von Frankreich wusste um die Uneinigkeit der Eidgenossen und nutzte diese geschickt aus. In Gallarate bei Mailand machte der König noch einmal ein Angebot für die Räumung der meisten eroberten Gebiete auf der Alpensüdseite.

Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis waren damit einverstanden und kehrten sogleich um. Für die Innerschweizer kam das nicht in Frage. Die Zürcher blieben widerwillig.
Das eidgenössische Heer war über Nacht um 10‘000 Mann geschrumpft. Die verbliebenen 20‘000 Mann sammelten sich bei Marignano, dem heutigen Melegnano.

Klaus Jauslin, Kardinal Schinner
führt die 
Eidgenossen.
Kardinal Schiner, der Beauftragte des Papstes, befürchtete, dass die Eidgenossen womöglich unverrichteter Dinge wieder abziehen würden und setzte alles daran, die Schlacht zu beginnen.
Er stachelte einige Eidgenossen an und vermochte einige Scharmützel zu provozieren.

Waren die Gemüter erst mal erhitzt, so gab es kein Halten mehr.

Nie waren sich die alten Eidgenossen so einig, wie im Kampf.

Mit drei Gewalthaufen drangen sie tief in das feindliche Heer ein und es sah so gut aus, dass sogar schon Siegesmeldungen nach Hause geschickt wurden. Doch es wurde Nacht und alles kam anders.

Klaus Jauslin,
Der Verlust des Uristiers.
Die Eidgenossen verharrten, wo sie gerade waren. Die Franzosen aber formierten sich neu. Am nächsten Morgen wurde weitergekämpft.

Während man im Verbund des Papstes vergeblich auf die versprochenen Truppen aus dem Süden hoffte, bekamen die Franzosen Verstärkung. Die venezianische Reiterei fiel den Eidgenossen in den Rücken.


Es folgte ein mehr oder weniger geordneter Rückzug.

Urs Graf Schrecken des Kriegs 1521
Urs Graf, Schrecken des Krieges.

Einige sagen: Die Eidgenossen hätten einen Harst gebildet, dieser wurde aber durch die Artillerie versprengt. Auch die venezianische Reiterei hätte den Eidgenossen sehr übel mitgespielt.
Es sei kein geordneter Rückzug, sondern eher eine Flucht gewesen.

Andere sagen: Der französische König hätte die sich zurückziehenden Eidgenossen nicht mehr unter Artilleriebeschuss genommen. Er hätte auch den Venezianern Einhalt befohlen. Diese hätten sich aber nicht daran gehalten.

Als Eidgenossen haben wir seither nicht mehr im Ausland gekämpft, wenigstens nicht für Ruhm und Ehre, sondern nur noch für Geld. Es ging dabei nicht um Politik, sondern um Geld.

Seit wann sind wir denn nun neutral?
- Die einen sagen: Seit Marignano, 1515.
- Andere sagen: seit dem Wiener Kongress von 1815 (An diesem Datum wurde uns die Neutralität vom Ausland bescheinigt).

Wie es nun genau war, ist heute gar nicht mehr so wichtig.
Wichtig ist, was daraus geworden ist.





Was sagt Renward Cysat zu Hans von Trient?

Renward Cysat war als 14-jähriger bei der Hinrichtung des Hans von Trient (alias Johannes Lyn) dabei und hat uns auch zu diesem Thema wertvolle Information hinterlassen.

Im Folgenden finden Sie den Originaltext aus der Cysat Collectanea (als Bild), meine freie Uebersetzung in die deutsche Schriftsprache und zuunterst ein Video mit der Uebersetzung auf Neu-Schweizerdeutsch.

Cysat Collectanea,
1, 1/2, S 198
[B. Fol.238v] 9. Mai 1559. Lux Ritter, Schultheiss dieser Stadt, vir insignis humili tamen loco natus, stirbt. Vorhergesagt hat seinen Tod Meister Hans Lyn, ein vortefflicher Bild- und Steinhauer aus Holland, den er zu seinem neuen Palastbau bestellt hat. Und die Ketzerei, die er an ihm gewusst hat, hat er menschlich geduldet bis er der Rechnung halber mit ihm stössig wurde.
Die Sache wurde öffentlich bekannt, so dass er Meister Hans in Gefangenschaft gebracht hat. Letzlich nach viel und langem milden Unterhandeln wurde Hans seiner Hartnäckigkeit wegen, 3 Tage vor dem Absterben des Lux Ritter, mit dem Schwert gerichtet.
Doch ist auf seine Vorsagung nichts zu geben, denn der Schultheiss war krank.

Dieser Mann hatte einen seltsamen Irrglauben, er starb beständig und fröhlich. Ich (Renward Cysat) habe allem selbst zugesehen. Es weinte viel Volk um ihn aus Erbarmen. Von allen Bekannten hat er sich freundlich verabschiedet.

Seine Ketzerei war, dass er glaubte, er wäre ein leiblicher Bruder Christi, und Maria hätte noch drei Söhne nach Christus geboren und er wäre der vierte, oder der letzte. Solches sei ihm in einem dämmrig blauen Lichtlein vor Zeiten in seiner Schlafkammer erschienen. Dafür würde er sterben. Er hat sich auch weder von geistlichen noch von weltlichen Personen davon abwendig machen lassen.
Er hat seine 60 Jahre. Er ist auch fleissig und täglich zur Messe gegangen, hat sich andächtig gezeigt; gab gern und willig Almosen und die erste Münze, die er in seinem Geldsäckel ergriff.

Auf der Richtstatt, wo der Nachrichter ihn enthaupten soll, kniet er nieder und schreit mit lauter Stimme:

"O Herr Jesu Christi, ich befehle dir mein Leib und Seele"

Darüber war alle Welt verwundert, da er ja weder priesterlicher noch anderer katholischer Ermahnung gehorchen wollte.

Aus der Cysat Collectanea 1, 1/2, S 198 frei übersetzt von Ralf Fioretti.