Das Schellenwerk - Zwangsarbeit im Mittelalter

Schellenwerk nannte man im Mittelalter die öffentliche Zwangsarbeit. Das Wort Schelle bezieht sich dabei auf die mit Schellen versehenen Fesseln. Die zur Zwangsarbeit Verurteilten mussten schwere körperliche Arbeit verrichten, wie z. Bsp. Strassen und Türme bauen oder im Winter im kalten Fluss stehen und die Schwelle reparieren.

Halsring mit Schnabel - HMLu

Die Delinquenten waren mit Fussfesseln oder zu zweit aneinandergekettet. Zusätzlich wurden Schellenwerker mit einem Halsring samt Schnabel oder Schelle gezeichnet, damit Sie in der Öffentlichkeit auch sofort und jederzeit als Schellenwerker erkannt wurden, die ihrer Arbeit nachzugehen hatten.

Die Schellenwerk-Strafe wurde für Bettelei, Landstreicherei und kleine Rechtsverstösse ausgesprochen, später auch für andere Vergehen, falls mildernde Umstände mitspielten.
Das Schellenwerk soll auch zur Züchtigung arbeitsscheuer Jugendlicher eingesetzt worden sein.

So um 1800 war das Schellenwerk in Luzern im äusseren Weggistor untergebracht. Tagsüber wurde hart gearbeitet und über Nacht wurden die Schellenwerker in den Weggisturm gesperrt.

Da Schellenwerker keinen Kontakt mit dem Henker hatten, wurden Sie nicht ehrlos. Grundsätzlich war es möglich, nach verbüsster Strafe wieder in die Gesellschaft integriert zu werden.

Weitere Informationen:
Historisches Lexikon der Schweiz -  hls-dhs-dss.ch
Bildrekonstruktion des äusseren Weggistor - bildebene.ch (Cursor über Bild fahren)