Die Hexe, die vom Teufel durch die Lüfte getragen wurde

Die aus St. Gallen stammende Hebamme Barbara Schatzmann kam 1570 in Luzern in Verdacht eine Hexe zu sein. Sie wurde ergriffen und bekannte zu Willisau einen Buben durch Anblasen getötet zu haben. Des weiteren bekannte sie im Gefängnis, dass ihr Buhl, der Federmisch (Teufel) ihr auch gezeigt habe, wie man Neugeborene tötet, indem man ihnen "mit einer Guffen" (Stecknadel) ins Häuptlein sticht. Sie gestand das, je nach Quelle an 11 oder 27 Säuglingen, getan zu haben.

Auch im Gefängnis wurde Barbara Schatzmann vom Teufel bedrängt, so dass man sie Tag und Nacht bewachen musste. Als es die Wächter am wenigsten erwarteten, schlug der Teufel zu. Er kam in der Gestalt eines schwarzen Vogels auf dem Luftweg, hat sie ergriffen, geschunden und gehäutet und sie mit Leib und Seele durch die Lüfte davongetragen. Zurückgeblieben ist nur ihre Haut, aufgeblasen wie eine Blase.

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Wickiana, Zentralbibliothek Zürich, F 19, fol. 121v.

Bild: Wickiana, Zentralbibliothek Zürich, F 19, fol. 121v.
Auf der linken Bildhälfte sieht man das Innere des Gefängnis, die aufgeblasene Haut mit Spuren vom Zugriff des Teufels und zwei aufgebrachte Wachpersonen.
Oben links sieht man eine Seilwinde, das Werkzeug für die Streckfolter des Aufziehens. Darunter sieht man Gewichtssteine, die den Gefangenen an die Füsse gehängt wurden.
Der Teufel ist gerade mit seiner Beute aus dem Turmfenster geflogen und wird von Passanten gesehen, die mit dem Finger auf ihn zeigen.

Quellen:
- Senn Matthias, Die Wickiana, Johann Jakob Wicks Nachrichtensammlung aus dem 16. Jahrhundert. Seiten 180, 258.
- Schacher Joseph, Das Hexenwesen im Kanton Luzern (1947), Seite 27.
- e-periodica, Das Hexenwesen des 16. Jh. ... (PDF Download Seite 361)